Fachsessionen 2. Block

13:30 bis 15:00 Uhr

Revision BöB/IVöB

Die überarbeitete BöB und IVöB wird voraussichtlich im Jahr 2018 in Kraft treten. Die angepasste Gesetzgebung wird in dieser Fachsession anhand dreier Referate diskutiert. Es wird berichtet, inwiefern die Nachhaltigkeit bei öffentlichen Vergaben im IT-Bereich berücksichtigt werden können und was die Revision der BöB und IVöB genau für ICT-Beschaffungen bedeutet. 

Moderation: Peter Fischer, ISB
 
 

Neues BöB/IVöB und ICT


Die neue Gesetzgebung der Kantone und des Bundes zur Vereinheitlichung des öffentlichen Beschaffungsrechts wird immer konkreter. Entspricht sie den Erwartungen der ICT-Beschaffungsstellen und –Lieferanten für ein flexibleres, weniger formalisiertes und einfacheres Verfahren, und welche neuen Möglichkeiten eröffnet sie den Marktbeteiligten? Gestützt auf die neuesten Entwürfe und Zeitpläne wird – teils als Update zum Vortrag des letzten Jahrs – dargestellt, welche Änderungen die neue Gesetzgebung für öffentliche ICT-Beschaffungen nach sich zieht.
 

Nachhaltigkeit im neuen Beschaffungsrecht

 

Die nachhaltige Entwicklung bildet ein langfristiges Staatsziel, welches bei öffentlichen Beschaffungen zu beachten ist. Inwiefern ist die Nachhaltigkeit in allen drei Dimensionen (Wirtschaftlichkeit, Umwelt und Soziales) bei öffentlichen Vergaben im IT-Bereich zu berücksichtigen? Ist das Ziel einer nachhaltigen Beschaffungspraxis in den geltenden Rechtsgrundlagen vorgesehen? Was sehen die Regelungen im GPA 2012 sowie im Entwurf des revidierten Bundesgesetzes über das öffentliche Beschaffungswesen vor? Es wird aufgezeigt, wie nachhaltigen Aspekten bei Beschaffungen im IT-Bereich hinreichend Rechnung getragen werden kann.

 

Abhängigkeit von Herstellern: Die Preisprüfung als Wunderwaffe oder gar ein unerlaubter Eingriff in die Vertragsfreiheit?

 

Werden Aufträge im freihändigen Verfahren vergeben, besteht die Gefahr, dass der Lieferant mit seiner Monopolstellung einen unangemessenen Gewinn erzielt. Als Ausgleichsmassnahme dient das Einsichtsrecht des Bundes in die Preiskalkulation. Dieses ist heute auf Verordnungsstufe geregelt und wird jeweils vertraglich vereinbart. Neu soll das Einsichtsrecht in Verträge von Monopollieferanten im Beschaffungsgesetz (BöB) aufgenommen werden. Dazu gibt es auch kritische Stimmen, namentlich von Wirtschaftsvertretern, welche in einem solchen Gesetzesartikel einen unerlaubten Eingriff in die Vertragsfreiheit sehen. Die EFK hat langjährige Erfahrung mit Preisprüfungen und begrüsst die neue gesetzliche Regelung. Die Preisprüfungen unterstützen die Sparanstrengungen des Bundes und haben vor allem eine nicht zu unterschätzende präventive Wirkung.

Öffentliche Beschaffung und agile Software-Entwicklung

Nachdem in den letzten Jahren an den IT-Beschaffungskonferenzen die Beschaffung und partnerschaftliche Abwicklung von agilen Software-Entwicklungen beleuchtet wurde, werden in der diesjährigen Fachsession nun die Aspekte der Vorarbeiten und Rahmenbedingungen für agile Vorhaben aus der Praxis präsentiert und anschliessend diskutiert.

Moderatoren:
Reto Maduz, COO und Partner, SwissQ Consulting AG
Stephan Sutter, CTO Bern und Mitglied der Geschäftsleitung bei der ti&m AG

Agile Methoden im Customer Product Management der Bundeswehr

Rüstungsbeschaffungen werden in der Bundesrepublik Deutschland auf der Grundlage eines standardisierten Prozesses „Customer Product Management“ (CPM) durchgeführt. Hierbei erfolgt nach der Feststellung einer Fähigkeitslücke im vorgelagerten integrierten Planungsprozess die Formulierung der Funktionalen Forderungen sowie die Auswahlentscheidung einer Lösung in der Analysephase des CPM. Nach öffentlicher Ausschreibung und Vergabe erfolgt dann zur Umsetzung des Rüstungsvorhabens in der Realisierungsphase des CPM. Bisher wurden sowohl in der Analyse- wie auch in der Realisierungsphase vorrangig klassische, sequentielle Projektmanagement-Methoden angewendet. Defizite zeigten sich dabei insbesondere in deutlichen zeitlichen Verzögerungen und immensen Kostensteigerungen der Rüstungsvorhaben der Bundeswehr, da Risiken im Projektverlauf in vielen Fällen erst dann zur Kenntnis gelangen, wenn bereits größere Abweichungen im Budgetverbrauch oder der Zeitplanung eingetreten sind. Der Einsatz agiler Projektmanagement-Methoden, bisher meist nur in IT-Projekten angewendet, bietet hingegen erhebliches Potential zur Beschleunigung von Projekten und zur Reduzierung von Risiken. Der Vortrag zeigt auf, wie Rüstungsprojekte der Bundeswehr durch agile Projektmanagement-Methode schneller und flexibler umgesetzt werden können.

 

Lieber Product Owner, dein Business Case fiel leider der technischen Schuld zum Opfer.

Vladimir Riecicky, Leiter Competence Center SW Development, SBB AG
014 Foliensatz_Referat_Vladimir_Riecicky.pdf (PDF, 4.4 MB)

 
Im Vordergrund einer jeden IT-Beschaffung steht eine nachhaltige Kosteneffizienz in der IT. Die Herausforderung liegt dabei in der Nachhaltigkeit: Es ist schnell möglich, eine Software auf grüner Wiese äusserst kosteneffizient zu bauen. Wenn es aber darum geht, eine bestehende Software zu warten oder zu erweitern, dann schlägt die Stunde der Wahrheit. Egal wie agil dass man vorgeht, die technische Verschuldung der Code-Basis wird das Tempo der Umsetzung diktieren. Wie entsteht technische Schuld und welche Implikationen hat sie im Kontext einer IT-Beschaffung? Der Vortrag beleuchtet diese Fragestellungen und liefert die eine oder die andere Antwort.


Verträge für agil geführte Projekte

Dr. Wolfgang Straub, Rechtsanwalt, Augsburger Deutsch und Partner
016 Foliensatz_Referat_Wolfgang_Straub.pdf (PDF, 1.0 MB)


Die Anforderungen an IT Projekte lassen sich zum Voraus oft nicht abschliessend, festlegen. In den letzten Jahren haben daher agile Methoden wie, Scrum stark an Bedeutung gewonnen. Traditionelle Beschaffungsabläufe und Vertragsmodelle passen aber nicht ohne weiteres auf agil geführte Projekte. Das Referat gibt einen Überblick über Problemstellungen und Regelungsinhalte «agiler Verträge». Die Teilnehmenden haben zudem Gelegenheit, eigene Erfahrungen in die Diskussion einzubringen.

SIK-Vertragsvorlagen und vergaberechtliche Fallen

In dieser Fachsession wird aufgezeigt, welche Hilfsmittel die SIK in den letzten Jahren erarbeitet hat, um den Vertragsschluss zu erleichtern. Die Konzipierung der daraus entstandenen Vertragsvorlagen wird erklärt. Anhand von Praxisbeispielen werden abschliessend vergaberechtliche Herausforderungen erläutert und im Plenum diskutiert. 
 
Moderation: Sascha Tarli, Leiter Zentrale Koordinationsstelle Beschaffung des Kantons Bern
 

Einleitung Checklisten und AGB SIK

Andreas Fritschi, Leiter der SIK Projektgruppe AGB
017 Foliensatz_Einleitung_Fritschi.pdf (PDF, 236KB)
 
Ergänzend zu den SIK-AGB 2015 stellt die SIK auf ihrer Intranetseite den öffentlichen Verwaltungen seit Februar 2016 auch downloadbare Vertragsvorlagen inklusive Wegleitung und Checklisten zur Verfügung. Im Einstiegsreferat wird die Organisation der SIK-Arbeitsgruppe Beschaffung mit deren Projektgruppen vorgestellt, die Bedeutung der SIK-AGB betrachtet und die Ausgangslage, das Zielpublikum, die Erwartung sowie der Auftrag der Arbeits-/Projektgruppe in Bezug auf die neuen Vertragsvorlagen kurz erläutert. 
 

Neue SIK-Vertragsvorlagen

Andreas Marti, FSDZ Rechtsanwälte & Notariat AG​
18 Foliensatz_Referat_Andreas_Marti.pdf (PDF, 3.4 MB)

In diesem Referat werden Aufbau, Konzept und konkrete Anwendungsmöglichkeiten der neuen Hilfsmittel näher erklärt. Es wird insbesondere die Frage beantwortet, was die neuen Vertragsvorlagen und die zusätzlichen Dokumente den jeweiligen Nutzerinnen und Nutzern im Einzelnen bringt. Zahlreiche Erfahrungen aus der Gestaltung von IKT-Verträge für öffentlich-rechtliche Verwaltungen und Körperschaften sind dabei direkt in die Hilfsmittel eingeflossen.
 

Spezialfälle aus der Vergabepraxis

Lukas Fässler, Präsident Verein SSGi
 


Am Schluss der Session werden von Rechtsanwalt Lukas Fässler anhand von 8 Anwendungsfällen verschiedene Fallstricke und Beachtungspunkte aus über 29 Jahren IT- und Submissionsrechtserfahrungen vorgestellt.
Es werden inbesondere folgende Fragestellungen behandelt: Was ist bei einer Einbindung der AGB 2015 in ein Pflichtenheft zu beachten? Wie steht es mit der Festlegung von Eignungskriterien, damit diese den Gleichbehandlungs- und Diskriminierungsgrundsatz nicht verletzen? Zudem wird aufgezeigt, was in Bezug auf die Verfahrensdauer in Submissionsverfahren inkl. möglicher Beschwerdeverfahren, die aufschiebende Wirkung im Beschwerdeverfahren, den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses mit dem siegreichen Anbieter und den Zeitpunkt sowie die Form eines Ausschlusses eines Anbieters wegen Nichterfüllung von Eignungskriterien zu beachten ist.

Marchés publiques TIC

Diese Fachsession wird auf Französisch durchgeführt. Im Fokus liegen Effizienz und Optimierungspotenziale rund um die Ausschreibungsprozesse und zudienenden Dienstleistungen. Des Weiteren werden Aspekte der Gütesiegel, des Lifecycles und der Nachhaltigkeit beleuchtet.
 
Moderation: Greg Hernan, SIK
 

Industrialisierung der Ausschreibungsprozesse mit HERMES

Friedrich Bracher, Infoniqa GlassHouse
021 Foliensatz_Referat_Friedrich_Bracher (PDF, 4.1 MB)

Ein grosser Teil der öffentlichen ITC-Beschaffungen betreffen Güter und Dienstleistungen, welche einen gewissen Standardisierungsgrad aufweisen. Gute Beispiele sind dabei die Beschaffung von wiederkehrenden Beschaffungs- oder Wartungsleistungen, im Speziellen innerhalb eines Rahmenvertrags. Dabei werden immer wieder ähnliche Verfahrensschritte durchlaufen. Durch Modularisierung und Industrialisierung der Ausschreibungsprozesse und deren Einbettung in das Projektframework von HERMES soll gezeigt werden, dass sich der Bedarf an internen und externen Aufwänden optimieren und gleichzeitig die Sicherheit und Qualität des Vorgehens und der Resultate der Ausschreibung steigern lässt. Des Weiteren wird besprochen, welche Ober- und Untergrenzen bezüglich Komplexität mit einem standardisierten Vorgehen eingehalten werden müssen. Ohne ein Allgemeinrezept liefern zu wollen, soll gezeigt werden, dass gerade ITC-Beschaffungen mittlerer Komplexität wesentlich effizienter durchgeführt werden können. Letztendlich soll die Diskussion angestossen werden, ob ein eigenes Modul „ITC-Ausschreibungen“ innerhalb von HERMES sinnvoll ist und den Bedürfnissen des Marktes entgegenkommt.
 

Développement durable - critères sociaux et environnementaux des appels d'offres AIMP TIC 

Valérie Bronchi, Unité de développement durable du canton de Vaud
Véronique Diebold, Unité de développement durable du canton de Genève
020 Foliensatz_Referat_Diebold_Bronchi.pdf (PDF, 388KB)
 
Quels critères environnementaux et sociaux peut-on intégrer dans le cadre des appels d’offres publics de matériel informatique? Comment « booster » le marché pour qu'il s'oriente vers plus de durabilité, sans pour autant discriminer les acteurs de la branche?
 
C’est le délicat exercice que pratique le Partenariat des achats informatiques romands (PAIR) depuis maintenant quelques années. Le PAIR regroupe les achats pour une quarantaine d'entités publiques, ce qui représente un important levier d’actions pour encourager la durabilité dans la chaîne de production. Deux membres du groupes de travail des appels d’offres présenteront la méthodologie utilisée pour l’évaluation des fournisseurs et des produits sous l’angle du développement durable.