Kurzinterview mit Gian-Mattia Schucan zu Software is the new Hardware

Kurzinterview mit Gian-Mattia Schucan zu Software is the new Hardware

Dr. Gian-Mattia Schucan
Founder & CEO of FAIRTIQ inc.

Referiert gemäss dem Leitthema der IT-Beschaffungskonferenz 2018 zum Thema:  Software is the new Hardware: Neues Ticketing-System für Schweizer ÖV als radikales Digitalisierungs-Beispiel

Fragen & Antworten

Danke. Gute Ideen sehen oft einfach aus. Einfachheit im öffentlichen Verkehr ist der Kern: Starten - Fahren - Stoppen - FAIRTIQ. Von Tarifsystemen muss der Kunde/die Kundin keine Ahnung mehr haben. Die ganze Komplexität erledigen wir im Hintergrund.

Unsere Architektur basiert auf Micro-Services, die wir im Continuous Development Modus betreiben. D.h. wir spielen täglich mehrmals Änderungen ("Releases") in die Systeme ein, ohne dass wir den Service auch nur für eine Sekunde unterbrechen müssen. Unsere Prozesse für die Reisebildung und die Erkennung von nicht-öV-Anteilen der Reise basieren stark auf Machine-Learning sowie auf offen verwendbaren Daten, z.B. von opentransportdata.swiss. Das ganze Backend wird in der Cloud betrieben. Alle diese Elemente führen dazu, dass wir bez. Verfügbarkeit auf über 99.9% liegen.

Das war nicht wirklich eine Hürde. Im Gegenteil, das war - neben der Einfachheit für die Kunden - das entscheidende Argument für unsere Lösung. Die Hardware im öV-Vertrieb ist sehr teuer, seien es die heutigen Ticketautomaten als auch "ehemalige Zukunftsideen" wie easyride - einem Hardware-basierten Reiseerfassungssystem, das in der Schweiz immer wieder studiert wurde - übrigens auch von mir als ich noch SBB-Vertriebschef war. Die Leistung der Entscheidungsträger, die uns letztlich FAIRTIQ ermöglicht haben, ist, dass sie das Risiko abgegeben und uns den notwendigen Vertrauensvorschuss geschenkt haben.

Vielleicht ist der Begriff "Pflichtenheft" schon der Kern des Problems. Wer weiss schon, welches die sinnvollen "Pflichten" für eine Lösung in 5 oder 10 Jahren sind. Für "Software-", oder in diesem Fall "Ticketing-as-a-Service"-Lösungen sollten Wege gefunden werden, bei dem die Nutzer letztlich über Erfolg oder Misserfolg des Providers entscheidet. Konkret: wir haben in unserem Geschäftsmodell einen konkreten Anreiz, ständig in die Systeme zu investieren und sie laufend kundenfreundlicher zu machen. In diesem Sinne wären uns "Zielstellungshefte" deutlich lieber als Pflichtenhefte.